Moin. Moin.

So. Hab ich nun auch son Blog-Viech. Ist eben doch bequemer um die Erlebnisse hier zu teilen. - Aber keine Entschuldigung mir keine Mails mehr zu schreiben! ;)
Trotzdem viel Spaß, gute Unterhaltung und Inspiration wünscht, Timu-San.

Dienstag, 10. Juni 2008

EM 2008 im Morgengrauen und warum mir Dauerlächeln am Morgen nicht liegt...

Guten Morgen.
Ich bin Müde - zu recht. Schuld daran ist schlicht das anstrengende Wochenende, samt Europameisterschaft.
Der Samstag war mit einem Besuch der Claude Monet Ausstellung mit meiner Deutschklasse noch vertretbar. Doch der Sonntag wurde eingeläutet mit Besuch der Gemeinde in Kanayama, was wie immer klasse war, danach ging es in der schwülen Mittagshitze eine Bahnstation weiter in die NC3 Gemeinde, in der viele junge Leute und Studenten sind. Dort gab es dann am Nachmittag auch die erste Geburtstagsfeier des Tages. Zelebriert mit feinster Pizza Hut Pizza (ich wusste bis dato noch gar net, dass die hier überhaupt Pizza Hut haben - mhhhmm...oishi!) Und dann ging es um 7 schon etwas müde nach Hause in der Hoffnung, vor der nächsten Feier um 8 im Jugendzentrum, eine Missionarin hatte Geburtstag, noch eine Mütze Schlaf zu ergattern und dann etwas später einzutrudeln - wer erscheint auf Geburtstagsfeiern schon zur angegebenen Zeit...doch nach einem "Kommst du gleich?"-Anruf machte ich mich schließlich auf die Socken, ohne kleines Nickerchen. Dort angekommen gab es zur Entschädigung jede Menge köstlicher Wassermelone, das hielt erstmal wach. Danach gab es die üblichen Spielchen die man eben so spielt, wenn man in einem Jugendzentrum feiert. Sprich: Chef-Vize (Das Schenkelklopp spiel, ich glaub jeder nennt das anders ;) und danach noch ein echt japanisches Spiel, was hier zu kompliziert wäre zu erklären, aber man musste sehr genau aufpassen und wenn man eben nicht mehr in Höchstform ist, dann verhaspelte man sich schon mal etwas wenn man dran war mit seiner Aktion. Wenn man einen Fehler gemacht hat bekam man eine mehr oder weniger abstruse Frage gestellt aus einem Brettspiel in der Manier: "Wenn du ein Gesetz ändern könntest, was würdest du ändern?" Man merkt, dass es ein japanisches Brettspiel war, da diese Art von Fragen schon ein "Höchstmaß" an Intimität besitzen. Persönlicher wird man doch nicht..tsts.. ;)
Langsam trollte sich die Runde in den späten Abendstunden, sodass nur noch ein kleines Grüppchen übrig blieb, die bis zum EM Spiel um 3 Uhr morgens im Hope Center verweilte. Das Spiel wurde auf Englisch kommentiert (sehr leise Stimme und sehr luschenhaft...) und in den Pausen wurde das Geschehen von 2 Würstchen im Anzug kommentiert, die von Tuten und Blasen keine Ahnung hatten. Um dem ganzen eine Krone aufzusetzen, lief in den Pausen neben einem mehr als kitschigen grafischen Darstellung japanische Pseudo-Techno-Mucke, wie sie sonst in Spielhallen läuft. Man dachte schon irgendwie die ganze Zeit, man spielt gerade Fifa 98 und hat zufällig grad Deutschland und Polen gewählt.
Man konnte das Erlebnis also nicht direkt mit Fussball gucken in deutschen Landen vergleichen.. Trotz nächtlicher Zeit und weit entfernt der Heimat war dennoch Stimmung in der Bude, hauptsächlich dank Missionar Jörg der mit vollem Einsatz mitfieberte, das hat doch sehr zur Unterhaltung beigetragen, denn so soll es ja sein :)
Nebenbei bemerkt scheinen Japanerinnen ihre Augen besonders auf Herrn Lehmann geworfen haben und - holla - auf Herrn Löw. Interessant jedenfalls. Und Lahm ist einfach nur "süß". Natürlich. Egal ob "kawaii" oder nicht, Hauptsache, sie geben den Kroaten eins hintendrauf. Sportlich gesehen natürlich, hehe.
Nachdem man dann am Montagmorgen als es hell war wieder in seine eigene Höhle zurückgekehrt war, durfte mann doch an seinem freien Tag erstmal etwas Schlaf nachholen.
Bis es dann um 1 Uhr eine Session Tennis im Regen gab, die mit einer fulminanten Wasserschlacht endete.
Dann abends um neun kam die Hiobsbotschaft: Ob man denn Zeit hätte, morgen um 7 Uhr am Bahnhof Konomiya aufzulaufen um dort Flyer zu verteilen. Das war japanisch formuliert und bedeutet: Ihr seid da. Ohne Streit. Und natürlich waren wir auch da, weil wir deswegen ja schließlich hier sind und Einladungen verteilen gehört nun einmal auch dazu. Auch wenn das eine der undankbareren Aufgaben ist. Besonders für Morgenmuffel für mich. Wenn ich schon um 6 Uhr aufstehen muss, dann lümmel ich mich lieber langsam in den Tag hinein, aber heute galt es, eine Stunde lang nicht zu zeigen, dass man eigentlich müde ist und wenig lust hat Flyer zu verteilen, sondern die japaner sind ein überlautes Ohaio gozaimasu! (Guten Morgen!) und ein darauf folgendes "Onegai shimasu" (Seien Sie bitte so freundlich / Tun Sie mir den Gefallen) gewöhnt. Bo ha ist das schwer so früh morgens. Ich bekomme da dieses Dauerlächeln, das dazugehört, einfach nicht immer hin. Man ertappt sich immer wieder, dass man es schon wieder vergessen hat, weil mir einfach nicht zum breit grinsen war. Abends wäre das schon besser. Man kommt doch aber immer wede rins schmunzeln wenn man die Ausweichtechniken sieht, welche die Japaner, diese alten Routiniers, wenn es um Flyer geht, sich zugelegt haben. Geschäftig am Ipod rumfummeln, einem den Schirm zufällig vor der Nase aufspannen, die Treppenseite am Aufgang wechseln, oder noch interessanteres. Nun ja. Wenn ich ehrlich bin, ich nehme ansonsten auch fast nie Flyer an und kann ihnen es deswegen eigentlich nie richtig übelnehmen, wenn sie desinteressiert vorbeirauschen. Aber was man lernt ist, dass man die Leute sehr oft falsch einschätzt, die nettaussehende Dame will keinen und der alte Grummel-Firmenboss streckt überraschend das Händchen.
Wie dem auch sei, so lange es morgens um 7 Uhr ist, gehört es schlicht und einfach nicht zu meinen Lieblingsaufgaben. Morgen früh bin ich wieder am Start. Diesmal der andere Bahnhof.
7 Uhr. Juhu. Ich werde mein Bestes geben. Was manchmal nicht viel ist, aber was ich hier auch gelernt habe ist, dass Gott auch gerne die Schwachen un die In-den-Sand-Setzer benutzt, um Gutes zu tun. Da lohnt es sich also doch, früh aus den Federn zu kommen :)

Mittwoch, 21. Mai 2008

Zu Besuch an der Uni und der Tag, an dem die Kakerlake kam.

An unserem letzten arbeitsfreien Montag sind wir nach langer Zeit endlich wieder der Ennladung nachgekommen, mal wieder die hiesige Privat-Universität "Nanzan" zu besuchen. Der Name Nanzan ist über die Grenzen Nagoyas für seine erstklassige Sprachenausbildung bekannt und hat nebenher noch irgendwie nen katholischen Ursprung... Wie ich auch gestern gelernt habe kostet das Studienjahr an einer Japanischen Uni ca. 400.000 Yen, das sind knapp 2500 Euro und an einer Privat Uni dann dementsprechend mehr. Also darf man trotz allem Humboldt'schen Unmuts noch gewissermaßen dankbar über die "gnädigen" Gebühren des deutschen Bildungssystems sein... ;)
Wer also die Asche hat, auf die Nanzan zu gehen kann isch immerhin noch mit dem Namen rühmen, sollte der Studienabschluss nicht allzu glorreich ausfallen. Das scheinen einige Japaner auch so zu sehen, weil wir in den zwei Deutschklassen, die wir besucht haben, einiges dazu hören durften. Charmant eingeleitet vom Japanischen Professor, der 1,5 Jahre in Mainz studierte saßen wir vorne auf unseren Stühlchen und durften uns als "echte Deutsche" bestaunen lassen. Eine Studentin war ganz glücklich, zum ersten mal wirklich mit einer Deutschen geredet zu haben..hehe. Auf unsere Frage hin, warum die Studenten denn deutsch lernen wollten stellte sich bald das Bild heraus, dass es viele lustige antworten auf diese Frage gibt. Einer hielt die deutsche Sprache für die schönste Sprache der Welt ( interessanterweise gerade wegen des ("ch" wie in "Docht"), eine andere las gerne Märchen und meinte, Deutschland sei ja sowas wie ein "Märchenland" mit Schloss Neuschwanstein und so...und ein dritter wollte einfach nur an der Nanzan studieren (mehr war jedenfalls auf Deutsch nicht aus ihm rauszukriegen, hehe)
Alles in allem war es sehr interessant und anschließend gab es dann erstmal, echt japanisch eine großangelegte Fotoaktion, wo Dec und ich einmal mit sämtlichen Kursmädchen auf Handykamera gebannt werden mussten und unsere Mädchen Hanna und Julia mit den Herren des Kurses - davon gab es allerdings vergleichsweise wenige...
Deutsch scheint hier ähnlich wie Französisch bei zu sein - eine romantisch verklärte Frauensprache, mit der man sich in Paris durchschlagen kann ;)
Anschließend war dann treffen im "Logos" Gebäude mit ein paar anderen Deutschstudenten fortgeschritteneren Jahrgangs, die auch mal echte Deutschländer probieren wollten. Waren mal wieder allesamt alles klasse Kerle und wir hatten eine schöne halbe Stunde verbracht, bevor die Jungens wieder zurück in den Unterricht mussten. Das war der Startschuss für uns, die hiesige Mensa zu stürmen wo ich mich nach einigen hin und her für das "ton-katsu" (hier ein Hühnerschnitzel) entschieden hab, das sich als riesig herausstellte. Allerding stellte es sich auch von lausiger-hautschwartiger-fettiger Konsistenz heraus und ich konnte mich bisher mit diesem Futter nicht wirklich anfreunden. Dafür war der Reis als Beilage ausgezeichnet und schön klebrig :)
Nachdem wir dann noch eine etwas fortgeschrittenere Nachmittagsklasse besucht hatten, endete der Abend in der Mini-Studentenwohnung einer Freundin, die uns zur Uni eingeladen hatte, wo ich zum ersten mal in meinem Japanleben georderte Pizza gegessen hab, und es war wirklich ein Offenbarung :) (jedenfalls wenn man es mit den sonstigen Teiglappen mit Tomatenspritzern vergleicht, die einem sonst hier als "italienisch" verschachert werden. Die Sache hatte allerdings auch ihren Preis und das waren 16€ pro Pizza größe M. Naja, wenn man den Preis teilt und einen japanischen Magen hat ist der Genuss erschwinglich, hehe... War jedenfalls ein netter Abend mit 8 Leuten auf 10m² Zimmer und viel Spaß :)
Am nächsten Tag ging der Spaß gleich weiter, als Dec und ich bei unserer McDonalds Stippvisite zwischen den Arbeitszeiten eine Begegnung der dritten Art hatten. Sofern Kakerlaken zur dritten Art zählen. Jedenfalls waren wir gemütlich am mümmeln, als Declan plötzlich innehält und mit seinem Fingerzeig die Fluchtroute einer 4cm Kakerlake verfolgt. Ich muss zugeben, ich hab noch nie so ein Viech in freier Wildbahn, geschweige denn in einem Mc Doof gesehen und war schon leicht schockiert. Die Japanerin, zwischen deren Beinen das Unviech sich durchkribbelte nahm das Malheur mit eleganter Fassung, packte ihre Sachen und war binnen Sekunden aus dem Restaurant. Die Kakerlake machte es sich dann unterm gegenüberliegenden Tisch gemütlich, wo sie dann von der von Dec informierten Managerin hervorgescheucht wurde um dann mehrmals einem schlecht gezielten feuchtem Papiertaschentuch auszuweichen, bis sie schließlich zuflucht in einer Ritze unter Decs Bank fand, wo ihr dann kurz darauf mit einer Flasche "Kill die Kakerlake" oder so der Garaus gemacht wurde. Ich hab ebenfalls meinen Kram gepackt, mir den Rest einpacken lassen und draußen weiter gegessen. Dec war der Hunger darüber vergangen, hehe.. Natürlich haben wir am Abend gleich in den Klassen nachgefragt, ob sowas denn normal sei, und anscheinend ist es nicht sooo ungewöhnlich. Es gibt hier eben einfach Kakerlaken im Sommer, da sollter man sich dran gewöhnen. ("Waas? In Deutschland habt ihr KEINE Kakerlaken?!" "Nö.") Nun gucken wir, dass wir uns schnellstens mit den Gift-Böxchen ausrüsten, weil ich keine Lust hab, dass mir Nachts so ein Ding übers Gesicht krabbelt, man liegt ja immerhin fast direkt aufm Boden mit dem Futon... Hoffen wir jedenfalls, das wir gute gerüstet sind, bevor der Sommer richtig losgeht und die Insektenpolulationen ins unendliche florieren. Es hat schon angefangen unangenehm schwül zu werden und man läuft andauernd Gefahr, sich zu erkälten, wenn man von muckeligen 25° ind die auf 15° gekühlten Nackenblas-Klimaanlagengekühlten Bahnwaggons hinein tritt. Aber damit muss der Körper hier irgendwie klarkommen. Am besten wärmt man die Muskeln in der Bahn mit einmal richtig von oben bis unten herzhaft durchlachen auf. Und das ist nicht schwer, wenn man dabei die amüsant-peinlichen Rechtschreibfehler des hiesigen Wahlkampfs vor Augen hat. Mit dem "l" und dem "r" hatten die Japaner es noch nie so genau ;)